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Periodische Augenentzündung

Bereits seit der Antike ist diese Form der Augenentzündung beim Pferd bekannt. Und noch heute stellt sie die häufigste Augenerkrankung des Pferdes dar, an der geschätzt zwölf Prozent der Pferdepopulation weltweit leiden. Unter verschiedenen Bezeichnungen ist diese Entzündung der Aderhaut bekannt: Periodische Augenentzündung, Mondblindheit Iridochorioiditis und dem heute benutzten wissenschaftlichen Terminus der Equinen rezidivierenden Uveitis (ERU).

Alle diese Bezeichnungen beschreiben eine in unbestimmten Abständen wiederkehrende Entzündung des Auges. Die Ursache, wie und warum Pferde an einer periodischen Augenentzündung erkranken ist heute noch nicht vollends geklärt. Weltweit wurden verschiedene Wettereinflüsse, Futter, Haltungsbedingungen und verschiedenste Infektionserreger diskutiert.

Die heute akzeptierte Hypothese ist die einer immunassozierten Erkrankung verschiedenster Ursache, welche sich durch in variablen Abständen wiederkehrende Überempfindlichkeitsreaktion manifestiert. Die equine rezidivierende Uveitis  stellt somit eine Antwort des Immunsystems auf z.B. einen Erreger dar. Einige Forscher sind der Meinung, dass Bakterien der Gattung Leptospira Verursacher der periodischen Augenentzündung beim Pferd sind. Pferde infizieren sich häufig über den Urin von Ratten und Mäusen mit dem Erreger. Bei einigen Pferden gelangt dann der Erreger nicht nur in die Blutbahn, sondern in ein oder beide Augen und führt dort zu einer Immunantwort des Körpers, die einer Entzündung des Auges zur Folge hat.

Bei der ERU unterscheidet man folgende Verlaufsphasen:

1)      Den ersten akuten Entzündungsschub

2)      Ein entzündungsfreies Intervall, in dem aber noch Anzeichen eines stattgefundenen Entzündungsschubs sichtbar sind

3)      Ein oder mehrere wiederkehrende (rezidivierende) Entzündungsschübe

Die klinischen Anzeichen sind sehr variabel und können schlagartig oder schleichend eintreten. Zu den wichtigsten Symptomen gehören:

Heftiges Zusammenkneifen der Lider

1)      Lidschwellung

2)      Tränenfluss

3)      Lichtscheue

4)      Gerötete Bindehäute

5)      Trübung der Hornhaut

6)      Verengung der Pupille

Die oben genannten Symptome treten häufig zusammen auf, können aber auch einzeln und in unterschiedlicher starker Ausprägung vorliegen. In bis zu 30 Prozent der Fälle erkranken beide Augen gleichzeitig.

Warum ist nun die periodische Augenentzündung so gefährlich für ein Pferd?

Durch die immer wiederkehrende Entzündung kommt es zur Schädigung der verschiedensten inneren Strukturen des Auges, bis hin zu einer Ablösung der Netzhaut, die schließlich zur Erblindung des Auges führt. Es können sowohl die vorderen Anteile des Auges  als auch nur die hinteren Anteile des Auges betroffen sein. Wenn sich die periodische Augenentzündung eher in den vorderen Bereichen manifestiert, so ist dies hochschmerzhaft und die Pferde zeigen die oben genannten Symptome. Sind die hinteren Anteile des Auges betroffen, so zeigt das Pferd wesentlich weniger Schmerzsymptome und mehrere Entzündungsschübe laufen unbemerkt. Doch obwohl das Pferd keine Symptome zeigt, kommt zu einer massiven, nicht mehr rückgängig zu machenden Schädigung des Auges. Auch ist es in solchen Fällen wesentlich schwieriger die  periodische Augenentzündung zu diagnostizieren.

Folgende Veränderungen werden nach einem oder mehreren Entzündungsschüben sichtbar:

1)      dauerhafte Trübung der Hornhaut

2)      Trübung der Linse

3)      Verfärbung und Gestaltveränderungen der Iris

4)      Verkleinerung des Augapfels

5)      Netzhautablösung

6)      Trübungen des Glaskörpers

Die ERU ist nicht heilbar und schon vorhandene Schädigungen des Auges sind somit dauerhaft. Ein therapeutisches Eingreifen während eines akuten Entzündungsschubs ist dennoch angezeigt. Durch die Gabe von Entzündungshemmern und kortisonhaltigen Präparaten kommt es einerseits zu einer Schmerzlinderung und auf der anderen Seite zu einer Vorbeugung von Entzündungsfolgen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, chirurgisch gegen weitere Entzündungsschübe vorzugehen. Bei der so genannten Vitrektomie wird in einer Operation der Glaskörper zerkleinert und entfernt. Damit werden gleichzeitig Entzündunsgprodukte und Trübungen aus dem Auge entfernt, wodurch die Sehfähigkeit in vielen Fällen nachhaltig verbessert werden kann. Eine andere Möglichkeit stellt die Implantation eines Virostatikums (Virushemmers) in das Auge dar. Das Implantat gibt gleichmäßig eine Wirkstoffmenge ab und so ist eine Versorgung mit Augensalben nicht nötig.

Ein massiv geschädigtes Auge, das bereits erblindet ist, ist oftmals extrem schmerzhaft für den Patienten und sollte deshalb in Vollnarkose entfernt werden.

Wenn Ihnen als Pferdebesitzer eine der oben beschriebenen Problematiken bei Ihrem Pferd auffällt, sollten sie Ihren Tierarzt kontaktieren. Schäden am Auge durch eine Periodische Augenentzündung sind nicht heilbar  – aber es kann ihnen in vielen Fällen vorgebeugt werden.

Periodische Augenentzündung - Pferdeklinik Burg Müggenhausen